Richard Gwilt - Historische Bögen


 

Es ist … einfach ein Frosch?


 

Okay, was soll das denn heißen? Nun … lies weiter! …
 
Dies ist ein kurzer Beitrag über den „Clip-in“- oder „Steck-“ frosch. Alle meine Barockbögen sind mit einem Steckfrosch ausgestattet – zum Teil, weil ich ihn einfach bevorzuge, aber vor allem, weil er historisch korrekt ist. Und es klingt besser! Was genau IST also ein Steckfrosch, warum ist er so wichtig und wie sollte man damit umgehen?
 
Für alle, die gleich zum Punkt kommen wollen, habe ich ein video auf YouTube hochgeladen, in dem gezeigt wird, wie man einen Steckfrosch sicher entfernt und wieder anbringt und wie man die Spannung der Bogenhaare auf (relativ) einfache Weise einstellt, indem man etwas Leder oder ein Stück Darmsaiten zwischen die Bogenhaare und die Rückseite des Frosches klemmt.
 
Doch darum geht es in diesem Beitrag nicht nur. Es gibt einige Hintergründe, etwas Geschichte … und (große Ankündigung) einen neuen Vorschlag zum Thema Spannung …
 
Doch zunächst eine Antwort auf die obige Frage – was ist ein "Clip-in"- oder Steckfrosch? Genau wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Frosch, der an einer festen Stelle am Bogen eingeklipst wird. In den Bogen wird eine flache Einkerbung geschnitzt, die meist in einer mehr oder weniger spitzen V-Form endet; darauf wird der Frosch gesetzt, dessen Unterseite das gleiche Profil aufweist. Der Druck der Bogenhaare (die am hinteren Ende der Aussparung an der Bogenstange befestigt sind) hält den Frosch fest an seinem Platz, und das „V“ verhindert, dass der Frosch nach vorne rutscht.
 


 
Es handelt sich um ein sehr elegantes, einfaches und sicheres System, das viele Vorteile bietet – angefangen bei Einfachheit und Sicherheit, aber auch in Bezug auf Klang und Handhabung. Die Bogenhaare werden am Froschende direkt an der Stange befestigt – genau wie an der Spitze – sodass eine mechanisch robuste Konstruktion entsteht, bei der die Bogenhaare an beiden Enden des Bogens fest verankert sind.
 
Dadurch werden mögliche unerwünschte Schwingungen vermieden, wie sie bei einem System auftreten können, bei dem die Bogenhaare am Frosch befestigt sind und der Frosch wiederum am Bogen. Da die „echte“ Schwingung des Bogens entscheidend für einen guten Klang ist, liegt es auf der Hand: Je weniger Zwischenschritte es gibt, desto besser. Was die Handhabung angeht, ist der Frosch, nun ja, ein Steckfrosch, sodass es nie zu einer Veränderung der Balance kommt – im Gegensatz zu einem Schraubfrosch, bei dem sich der (relativ) schwere Frosch um bis zu etwa 5 mm verschieben kann, was natürlich den Gleichgewichtspunkt beeinflusst.
 
Ein Steckfrosch hat zwei wesentliche Nachteile. Zum einen muss das Entfernen oder Austauschen des Frosches mit Sorgfalt erfolgen, um eine Beschädigung des „V“-förmigen Endes der Einkerbung im Bogen zu vermeiden (schaut euch mein Video an). Und der zweite ist, dass der Frosch, nun ja (wieder einmal), steckt, sodass es ein Problem beim Spannen und Lösen der Bogenhaare geben kann. Historisch gesehen gibt es zwei gut dokumentierte Lösungen. Die eine besteht darin, den Daumen – unter den Bogenhaaren kurz hinter dem Ende des Frosches platziert – zu verwenden, um die Bogenhaare durch Drücken in Richtung der Bogenstange zu spannen. So ähnlich wie es Gambisten tun, nur umgekehrt. Ich persönlich finde das schwierig – nicht den „Daumen-unter“-Griff, den ich sehr mag –, sondern allein das Platzieren des Daumens jenseits des Frosches unter den Haaren – für mich funktioniert das überhaupt nicht, wenn die Haare zu schlaff sind, und ich finde es schwierig, den Bogen zu kontrollieren; er wackelt hin und her. Die andere Lösung ist ein kleines Stück Leder oder etwas Ähnliches – ich verwende oft ein kurzes Stück einer D- oder G-Saite aus Darm, das sich relativ leicht (wie in meinem Video gezeigt) zwischen den Haaren und dem Frosch einführen und wieder entfernen lässt. Die Ledervariante ist hier wunderschön in dieser Detailansicht aus einem Gemälde von Abraham van den Tempel „David Leeuw mit seiner Familie“ von 1671 zu sehen.
 

 
(Das gesamte Gemälde können Sie hier sehen.)
 
Irgendwann im Laufe der Geschichte reichten diese einfachen Methoden zum Spannen der Haare nicht mehr aus – möglicherweise, weil der Bogen länger wurde oder die Gegenwölbung an Bedeutung gewann (d.h. eine Entwicklung hin zu klassischen Bögen) – und so wurden andere Strategien entwickelt. Der Crémaillère-Bogen ist eine davon – ein etwas unhandliches System, das in den Geschichtsbüchern wahrscheinlich häufiger vorkommt als in der Realität. Aber es ist eine interessante Idee: Eine (meist) metallene Ratsche wird oben am Bogen angebracht, über die eine am Frosch befestigte Metallschlaufe geführt wird, wodurch der Frosch sicher in bestimmten Positionen gehalten werden kann. Hier ist ein Bild des Mechanismus an einem ziemlich außergewöhnlichen Bogen im Musée de la Musique in Paris.
 

 
Und dann kam natürlich der Schraubfrosch (etwa im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts?), der sich schnell gegen alle anderen durchsetzte. Allerdings war er nicht so perfekt, dass er sofort von allen übernommen wurde – und noch Mitte des 19. Jahrhunderts experimentierte Vuillaume bei seinen selbstbehaarenden Bögen mit einem System, bei dem die Schraube die Haare im Frosch festzog, den Frosch selbst jedoch nicht bewegte.
 

 
Meines Wissens nach sind heutzutage verschiedene Systeme im Einsatz. Eines davon ist die (Nachbildung des) Crémaillère-Systems. Ein anderes basiert auf einer ähnlichen Idee: ein Ratschenprofil an der Stangen-Aussparung, das mit einem passenden Profil an der Unterseite des Frosches ineinander greift – entweder geschnitzt (was arbeitsintensiv und verschleißanfällig ist) oder aus aufgeklebtem Kunststoff – was zwar sehr gut funktioniert, aber meinem ästhetischen Empfinden zuwiderläuft. Beide Systeme haben jedoch den Nachteil, dass sich der Frosch bewegt. Ein weiteres System besteht aus einem halbrunden Keil zwischen den Haaren und dem Frosch, der durch Reibung in Position gehalten wird – eine elegante Lösung, doch ich habe festgestellt, dass dieser Keil dazu neigt, zu verrutschen. Eine weitere gängige Lösung besteht darin, zwei (oder mehr?) Frösche für unterschiedliche Bedingungen zu verwenden. Das eignet sich gut, um erhebliche Schwankungen der Luftfeuchtigkeit auszugleichen – von einem feuchten Sommer mit über 70% relativer Luftfeuchtigkeit bis hin zu einem trockenen, zentralbeheizten Winter mit etwa 30%. Es ist jedoch keine subtile Lösung und bedeutet, dass man sich mit dem sicheren Abnehmen und Anbringen eines Frosches vertraut machen muss (wie in meinem Video gezeigt). .
 
Luis Emilio Rodriguez hat ein wunderbar elegantes System erfunden, das er TrickTwig© nennt: Dabei wird das Haar im Inneren der Stange durch einen Knopf am Ende der Stange festgezogen. Der Frosch bleibt an seinem Platz, und man hat die Kontrolle über einen recht großen Bereich der Haarspannung. Es ähnelt in gewisser Weise dem Vuillaume-System, nur dass sich das Haar in der Stange bewegt und nicht im Frosch.
 
Ich selbst habe schon lange darüber nachgedacht die bewährte Methode, etwas zwischen Haar und Frosch einzufügen, zu „mechanisieren“. Im Laufe des Jahres 2024 begannen sich die Ideen zu konkretisieren, 2025 verkaufte ich mein erstes Exemplar, und nun (August 2026) kann ich mit der Unterstützung meines Sohnes Andreas im Konstruktionsbereich sowie dank der technischen und ästhetischen Verfeinerungen durch meinen guten Freund Luis Emilio stolz Folgendes vorstellen: eine Methode, mit der man die Haarspannung durch Drehen eines kleinen Rädchens im Frosch verstellen kann:
 
(Sorry, die nächste Zeilen funktionieren nicht auf deutsch - besser auf englisch ...)
 
Es ist ein Frosch (= it's a frog) ...
 

 

 

 

 
Es ist einfach ein Frosch (= it's just a frog)
 

 

 

 

 
Es ist "ein-einfach-ein-Frosch" (= it's “a-just-a-frog©")
 

 

 
(Sag es mal laut auf Englisch, dann wirst du verstehen, was ich meine!).
 

 

 
Das System ist etwas (!) knifflig in der Herstellung; – ein winziges, senkrecht im Frosch montiertes Rädchen fährt ein kleines Paddel horizontal aus oder ein, wodurch die Haare herausgedrückt oder wieder hineingelassen werden. Hier siehst du, wie es funktioniert:
 
       

 
Es ist nicht besonders robust (die Schraubengewinde sind zwangsläufig winzig), aber solange man nicht versucht, die Schraube unter Spannung ein- und auszudrehen, funktioniert es gut. Und wenn man besonders empfindlich auf präzise Haarspannung reagiert, ist es ein sehr nützliches kleines System. Es ist wirklich ein „Adjust-a-frog“.
 


Richard Gwilt Tel: +49(0)1525 394 1771 - Email: rgwilt@gmail.com
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